|
In der Volksstimme vom 30 Juli 2010 war u. a. folgender Beitrag von Jana Halbritter zu lesen:
Stadt wollte nach Brand die Kindereinrichtung schließen, doch die Eltern wehrten sich erfolgreich
Den 21. März 2000 werden die Erzieherinnen der Kita „Pinocchio“ nie vergessen. Völlig fassungslos und mit Tränen in den Augen standen sie morgens vor den verkohlten Resten eines Gruppenraumes ihrer Einrichtung. Jugendliche hatten sich am Abend vorher Zutritt verschafft und mit Kerzen gespielt. Mit einer beispielhaften Aktion bewahrten Erzieherinnen, Eltern und Spender vor zehn Jahren die Kita vor der Schließung. Heute soll daran erinnert werden.
Drei Jugendliche verschaffen sich vor zehn Jahren in den Abendstunden des 20. März durch ein Fenster den Zutritt in die Kita „Pinocchio“ in der Wilhelm-Külz- Straße. Sie sind auf der Suche nach Süßigkeiten, fi nden nicht nur diese, sondern auch eine Kerze, die sie später anzünden. Beim Verlassen der Kindertagesstätte vergessen sie, die Kerze zu löschen.
Mit fatalen Folgen: Die Tischdecke fängt Feuer, das sich auf den Gruppenraum ausweitet. Der Schaden: rund 100 000 Mark. Die Kita muss für mehrere Wochen schließen, während dieser Zeit werden die Kinder in anderen Einrichtungen untergebracht. Die drei Jugendlichen werden später gestellt, zwei von ihnen sind unter 14 Jahre alt, das Verfahren wird wegen Schuldunfähigkeit eingestellt. Der dritte Junge, 14 Jahre alt, bekommt die Chance auf Wiedergutmachung und leistet 50 Arbeitsstunden für die Wiederherstellung der Tagesstätte. Kita-Leiterin Barbara Müller und Stellvertreterin Ursula Trautmann können sich an die Ereignisse vor zehn Jahren noch ganz genau erinnern: „Das ganze Haus war damals durch den Ruß in Mitleidenschaft gezogen worden.“ Die Stadt wollte daraufhin die Kindereinrichtung schließen. Doch dagegen wehrten sich die Eltern. Sie gründeten einen Förderverein und begannen Geld für die Sanierung einzutreiben. Was sie letztendlich auch schafften: Im August 2000 war „Pinocchio“ wieder in Kinderhand.
Der Förderverein löste sich auf und die Einrichtung ging an die Stadt zurück. Mit einem Fest will die Kita heute, ab 15 Uhr, an diesen sinnbildlich „schwarzen“ Tag seit dem 35-jährigen Bestehen der Kita erinnern: „Und wir wollen uns bedanken – bei Spendern, Eltern und dem Förderverein.“ Es gibt einen Kuchenbasar, eine Hüpfburg, eine Hundeshow, eine Bastelstraße. Feuerwehr, Polizei sowie ein Johanniter-Rettungswagen haben sich angekündigt. Um 17 Uhr spielt die Kult-Band „Charlies Crew“. |